SODA Lectures mit Künstler*innen und Theoretiker*innen

Winter Semester 2022/23: Lecture Series The Performativity of Class

Wie manifestieren sich Klasse und Klassismus im Körper? Wie schlagen sich Erfahrungen von Ausgrenzung, Isolation, Assimilation oder Scham in somatischen Erfahrungen oder körperlichen Haltungen und Gesten nieder? Wie schmecken und riechen "sozialer Aufstieg" und "Zugehörigkeit"? Die Vortragsreihe The Performativity of Class ist eine intersektionale Untersuchung des aktuellen Comebacks des Klassenbegriffs mit einem Fokus auf die  Arbeitsbedingungen und -realitäten in den Bereichen Ausbildung und körperbasierte darstellende Künste: Bereiche, in denen soziale Ungleichheiten und Privilegien oft eher reproduziert als abgebaut werden.
Im Dialog mit Expert:innen aus Kunst, Wissenschaft und Bildung untersucht die Reihe, wie Klassenpositionen die Beziehungen zwischen Student:innen und Lehrenden bestimmen. In einem größeren gesellschaftlichen Kontext geht es auch darum, wie sich soziale Privilegien in Wissens- und Körperverständnisse, in Sprecher:innen-Positionen und -strukturen niederschlagen und welche Rolle performative und künstlerische (Gegen-)Strategien dabei spielen.

 

Termine / Beginn immer 18 Uhr CET / Eintritt frei
Live Streaming Link
: https://stream.udk-berlin.de/w/pM1YmhcT4JPFfP8WUL2omU

20. Oktober: Gurur Ertem "Promises and Pitfalls of ‘Political’ Curating in Live Arts"
27. Oktober: Prof. Dr. Ana Vujanović: The question of possession: from the bodies of the proletariat to the bodies of the precariat"
03. November: Venuri Perera 'If I may be candid'     
10. November: Francis Seeck "Classismus. The ignored discrimination"
24. November: Tanja Abou "Class(ism), Body and Practices of Beauty" 
01. Dezember: Kerstin Honeit "Voices at Work, Bodies on Strike. Struggles and Strategies of an artistic search for Aesthetics of Class and Poverty beyond representation"
08. Dezember: Edwin Nasr "Would Curators Unionize?" (abgesagt)

Ort: HZT Berlin, Campus Uferstudios, Uferstraße 23, 13355 Berlin – Studio 11 & Live Stream " Eintritt frei " / Auf Englisch

Die Vortragsreihe wird gemeinsam kuratiert und organisiert von Prof. Dr. Sandra Noeth (MA SODA/HZT Berlin) und Prof. Dan Belasco Rogers (UdK Studium Generale).

Aufzeichnung von Kerstin Honeit

Voices at Work, Bodies on Strike.

Zur Aufzeichnung von "Voices at Work, Bodies on Strike."

Die (Film-)Stimme in ihrer Rolle als Arbeiter*in am Beispiel von künstlerischer Forschung und der Publikation "Voice Works/Voice Strikes".

Kerstin Honeit arbeitet als Künstlerin* mit experimentell-dokumentarischen Bewegtbildformaten. Sie lebt in Berlin und hat dort an der Weißensee Kunsthochschule Bildende Kunst und Bühnenbild studiert. In ihren filmischen Arbeiten forscht sie zu Repräsentationsmechanismen in der Produktion von hegemonialen Bilderwelten, in Zusammenhang mit kulturellen wie sprachlichen Übersetzungsmodi, speziell im kinematographischen Kontext. Schwerpunkt hierbei ist die Auseinandersetzung mit den Politiken der (Film-)Stimme und besonders damit, wie Stimme als queerendes Ereignis innerhalb bewegter Bilder, Blickregime der Dominanzkultur verunsichern kann. Vor dem Hintergrund dieser künstlerischen Praxis Honeits ist gerade die Publikation Kerstin Honeit. Voice Works / Voice Strikes (Hg. McGovern) im bbooks Verlag erschienen. Honeit lehrt an verschiedenen Kunsthochschulen, zurzeit teilt sie sich die Professur für Raumkonzepte an der HBK Braunschweig mit Candice Breitz. Ihre Arbeiten werden regelmäßig auf internationalen Filmfestivals und in Ausstellungen präsentiert.

Aufzeichnung von Tanja Abou

Class(ism), Body and Practices of Beauty

Zur Aufzeichnung von "Class(ism), Body and Practices of Beauty"

Wie die Art und Weise mit der wir (unsere) Körper wahrnehmen und Schönheit praktizieren, von der Klasse geprägt ist.

Tanja Abou ist Social Justice Trainerin mit über fünfzehn Jahren Erfahrung in der politischen Bildung. Ihre Arbeit konzentriert sich auf Klasse(n), Ungleichheit und Queerness. Ihr Lebenslauf ist keine gerade Linie von A nach B, sondern eine Achterbahn mit einem Abschluss in Sozialer Arbeit (MA) und Systemischer Therapie. Manchmal nutzt sie Comics, um sich auszudrücken, und 2011 veröffentlichte sie ein geschlechtsneutrales Kinderbuch.

Aufzeichnung von Francis Seeck

Classismus. The ignored discrimination

Zur Aufzeichnung von "Classismus. The ignored discrimination"

Der Vortrag befasst sich mit Klassismus im kulturellen Bereich.

Francis Seeck, geboren 1987 in Ost-Berlin, ist Antidiskriminierungstrainer*in, Autor*in, Sozialwissenschaftler*in und Armutsforscher*in. Seeck hat mehrere Bücher zum Thema Klassismus veröffentlicht, darunter "Zugang verwehrt" (Atrium Verlag, 2022).

Zur Aufzeichnung von "If I may be candid."

Über Nuancen und die Komplexität wie Klasse verkörpert, kodiert und kommuniziert wird.

Venuri Perera ist eine Choreografin, Performancekünstlerin, Kuratorin und Pädagogin aus Colombo, die derzeit in Amsterdam lebt. Seit 2017 erforscht sie die Machtdynamiken von Blicken, Opazität und Sinnlichkeit durch performative Experimente in Theatern, Galerien und im öffentlichen Raum. Ihre Soloarbeiten beschäftigen sich mit gewaltvollem Nationalismus, Patriarchat, Grenzritualen, kolonialem Erbe und Klasse. Venuris Arbeiten wurden international auf Festivals, Plattformen und Symposien gezeigt; sie hat eng mit den Choreograf:innen Geumhyung Jeong, Natsuko Tezuka und Zwoisy Mears-Clarke zusammengearbeitet. Venuri ist seit 2016 Kuratorin der Colombo Dance Platform, die vom Goethe-Institut Colombo unterstützt wird. Sie war Gastdozentin an der University of Visual and Performing Arts in Colombo und Mitglied des Dance Panel des Arts Council in Sri Lanka. Sie ist Absolventin des DAS Theatre, Amsterdam, und hat einen MA in Psychologie (Universität Pune 2006) und einen Postgraduiertenabschluss in Dance In Community (Laban, London 2008). Venuri versucht, in ihrem Leben und ihrer Arbeit Bedingungen für Mitgefühl, radikale Liebe und Heilung zu schaffen. Meistens scheitert sie, aber sie bleibt optimistisch.

Aufzeichnung von: Prof. Dr. Ana Vujanović

The question of possession: from the bodies of the proletariat to the bodies of the precariat

Zur Aufzeichnung von: The question of possession: from the bodies of the proletariat to the bodies of the precariat

Was bedeutet es, aus einer kritischen, feministischen Perspektive und mit Bezug auf die Idee des Prekariats, seinen eigenen Körper zu besitzen?

 

Ana Vujanović, Ph.D., ist Kulturarbeiterin und lebt in Berlin. Als Forscherin, Dozentin und Autorin arbeitet sie in den Bereichen Performance, Cultural und Gender Studies. Ihre jüngsten Bücher sind A Live Gathering: Performance and Politics in Contemporary Europe, hg. mit L. Piazza (2019), und Towards a Transindividual Self, A study in social dramaturgy, mit B. Cvejić (2022). Sie war Gastprofessorin im Fachbereich Performance Studies an der Universität Hamburg. Seit 2016 ist sie Teammitglied und Mentorin an der SNDO, Amsterdam, und ab 2022 Gastprofessorin am HZT Berlin. Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit ist kultureller Aktivismus und sie hat an zahlreichen Organisationen und Initiativen teilgenommen, wie dem Redaktionskollektiv von TkH [Walking Theory] aus Belgrad und TkH Journal for Performing Arts Theory.  Sie ist auch als Dramaturgin in der zeitgenössischen Performance und im Film tätig, zuletzt in dem Dokumentarfilm Landscapes of Resistance unter der Regie von Marta Popivoda (2021).

Wintersemester 2020/21: Breathe
Atmen ist ein unvermeidlicher, lebensnotwendiger Akt. Dass er dennoch nicht selbstverständlich ist, machen die Erfahrung der Pandemie, tiefgreifende Veränderungen in unserer Umwelt, aber auch strukturelle, rassistische Diskriminierung deutlich. Im physischen Akt des Atmens, von dem oft wenig Notiz genommen wird, sind wir symbolisch und materiell radikal auf unseren eigenen Körper zurückgeworfen - und zugleich mit den Körpern anderer verbunden. Im Gespräch mit Künstler*innen, Theoretiker*innen und Expert*innen aus unterschiedlichen Praxisfeldern geht die Vortragsreihe der Frage nach, wie der Schutz von Körpern ungleich und ambivalent verteilt ist. Sie hinterfragt, wie in der Figur und im Akt des Atmens auch Widerstand Ausdruck finden kann: ein Beharren auf Präsenz, eine Forderung nach existenzieller, politischer, symbolischer und ethischer Anerkennung.

Breathe. Eine SODA Lecture Series von November 2020 – Januar 2021. Kuratiert von Prof. Dr. Sandra Noeth (MA SODA). In englischer Sprache.

VERANSTALTUNGSPLAN
2020

  • Maikon K. (artist) Zarabatana: air to concrete
  • Prof.  Dr. Bojana Kunst (Philosophin, Institut für Angewandte Theaterwissenschaft Gießen): Some questions on the ‘international’ art education: on studying, breathing and reciprocity
  • Prof. Dr. Francesca Raimondi (Philosophin, Kunstakademie Düsseldorf, Goethe-Universität Frankfurt a.M.): Freedom to Breathe
  • Prof. Hope Ginsburg (Künstlerin, Virginia Commonwealth School of the Arts): Meditations on Amphibiousness
  • Miriam Jakob & Jana Unmüssig (Choreographinnen, Performerinnen): Breathing With

2021

  • Basel Abbas and Ruanne Abou-Rahme (Künstler*in): Breathing where you are not supposed to. Mittwoch, Feb., 17, 18 Uhr,
  • Dr. Vanessa Eileen Thompson (Sozialwissenschaftlerin, Europa-University Viadrina Frankfurt Oder): Blackness, Conditions of Unbreathing and the Possibility of Abolition

 

WS 2019/20: What does it take to belong? Sandra Noeth & Guests

The SODA lecture seminar gathers each semester artists and theorists from various disciplines and fields of practice. Bodies, and the aesthetic, socio-political and ethical questions that they open up, are at the core of the public discourse and workshop program that is dedicated to the idea of ‘belonging’ in the 2019/20 winter term: a complex and open idea that addresses material, geopolitical and affective aspects; reminds of familiar routines, gestures and habits, shared norms, values and rights; and formulates questions concerning experiences of safety and trust and the right to societal and political participation. What does it take to belong? Starting from artistic and theoretical inputs and practices of the invited guests, the public series explores how ‘belonging’ is constructed, negotiated, rehearsed and challenged by performative, body- and movement-based and sensorial strategies. How can artistic practice and aesthetic create always-specific experiences and reflections of belonging that go beyond essentialist and normative identity politics?

Curated by Prof. Dr. Sandra Noeth & the MA SODA students Michalis Angelidis, Michaela Bangemann, Michela Filzi, Armin Hokmi, Min-Suck Kim, Yusuke Taninaka and Xenia Vlachou-Kogchylaki.

Corporeal Matters: a lecture series on the diagnostic capacities of bodies

Körper - und ihre künstlerischen Artikulationen - sind der Schlüssel zum Verständnis der komplexen Umgebung in der wir heute leben: Sie entfalten ihre diagnostischen Fähigkeiten, indem sie rekonstruieren und reflektieren, de-normieren und wieder aneignen, testen, imaginieren und spekulieren, was unser Zusammenleben auf vielfältige und vielschichtige Weise bedingt. Kleinräumig, alltäglich oder global - Körper erscheinen hier gleichzeitig als Zeugen, Dokumente und Agenten, während sie sich über physische und symbolische Territorien bewegen, die von Machtvektoren wie Nationalität, Souveränität und Normalität gezogen werden. Sie werden jedoch nicht als transparente Fenster betrachtet, die einen unmittelbaren Zugang zur Realität ermöglichen oder als das letzte Mittel der Authentizität und Unmittelbarkeit. Vielmehr überdenken sie heute die Körperlichkeit und unterstreichen die Verflechtung von Ästhetik, Politik und Ethik.
In fünf öffentlichen Veranstaltungen versammelt die SODA-Vortragsreihe 2019 Künstler*innen aus verschiedenen Bereichen: Tanz und Choreographie, Theater, Bildende Kunst und Film. Sie stellen ihre künstlerischen Praktiken als spezifische Formen der Reaktion, des Eingreifens und der Teilnahme an den Welten in denen wir leben, durch sensorische, performative, choreografische und symbolische Strategien vor.

Kuratiert von Prof. Dr. Sandra Noeth kuratiert und begleitet durch die SODA-Student*innen Kuba Borkowicz, Bernardo Chatillon, Jason Corff, Jorge De Hoyos, Ana Lessing Menjibar, Minna Partanen und Rhyannon Wagg-

Termine
24.4.2019   Marwa Arsanios: What comes after research?
08.5.2019   Perel: You Make Me Sick
29.5.2019   Ian Kaler: Transparencies
19.6.2019   Mischa Leinkauf: Challenge Your Boundaries – A Lecture on handling Impossible Tasks
10.7.2019   Çağlar Yiiğitoğulları: Wunderland
Mittwochs, 18 Uhr, Studio 9 + 11 I Uferstudios I Uferstraße 23 I 13357 Berlin

On Decision-Making. Eine Lecture- und Seminar Reihe über das Entscheiden

Komponieren heißt immer auch Entscheidungen treffen: dabei geht es um Strategien und Regeln, darum, Sinn zu produzieren und wieder zu verwerfen; es geht darum, Stimmen Gehör zu verleihen und auch um das Versprechen, zusammen zu sein. Zwischen gesetzten Elementen und verdeckten Protokollen stellt sich mit der Frage des Entscheidens auf die Frage nach den Elementen und Bedingungen, die unser Handeln begründen. Neben dem was verfügbar und wünschenswert, möglich oder vorgegeben scheint, ist auch das adressiert was noch nicht, unbekannt und unwahrscheinlich ist.Entscheiden heißt nicht immer – oder nicht zuerst – festlegen, bestätigen oder in eine strenge Form finden, sondern beschreibt einen Prozess des Verhandelns, der in der Beziehungsaufnahme von Körpern zu beobachten ist.
Die Lecture- und Seminar-Reihe versammelt eine Gruppe internationaler Künstler*innen, die sich aus der Perspektive von Choreografie, Sound, Bildender Kunst, Film und Text mit der Politik und der Poetik des Entscheidens beschäftigen. Ausgehend von ihrer jeweils eigenen individuellen und kollektiven Arbeitspraxis, in der Körper eine zentrale Rolle spielen, gehen sie den technischen, affektiven, diskursiven, ethischen, politischen und sozialen Elementen nach, die ihre kompositorischen Entscheidungen leiten.

Termine
24.10.2018 I Dr. Didem Pekün: United Nothing: The ‘inarticulacy’ of Images in Representing Atrocities
07.11.2018 I Dr. Tom Tlalim: Noise-Control-Noise: The politics of composition
21.11.2018 I Dr. Natasha A. Kelly: Milli’s Awakening. Black Women, Art and Resistance
16.01.2019 I Ivana Müller: Body, Text, Collective - Choreographing the Imaginary 06.02.2019 I Paz Rojo: Dancing its do

Kuratiert von Prof. Sandra Noeth (MA SODA)
HZT I Studio 11 I Uferstudios I  Uferstraße 23 I 13587 Berlin