Claire Cunningham: Crip Techniques - Cripping / Queering Contact

mit Gäst:innen Anya Cloud, Makisig Akin and Peter Pleyer

Diese künstlerische Forschungswoche knüpfte an Prof. Cunninghams Schwerpunkt zum Thema „Crip Technique“ an, bei dem die Tanz- und Bewegungsvokabulare sowie Techniken von behinderten und Crip-Tänzer:innen untersucht wurden. Diese Phase der Forschung basiert auf Cunninghams eigener Bewegungsgeschichte, insbesondere auf ihrer Auseinandersetzung mit der Kontaktimprovisation, und konkret auf Aspekten wie Berührung, Vertrauen, Risiko sowie Verbindung und Beziehung.

In Zusammenarbeit mit den eingeladenen Künstler:innen Anya Cloud & Makisig Akin sowie Peter Pleyer befasste sich Cunningham gezielt mit Praktiken, die sich mit körperlichem Kontakt auseinandersetzen:

  • Die Übertragung von Kontaktarbeit (Improvisation) in Bezug auf Crip-Körper und Mobilitätstechnologien sowie Akte des „Cripping“ und „Queering“ zu untersuchen, das von Cunningham verwendete Vokabular und die Techniken zu betrachten und sich mit neuem Vokabular aus anderen Erfahrungen auseinanderzusetzen.
  • Zu erörtern und darüber zu sprechen, was wir als Aspekte von Technik und Vokabular in Bezug auf körperliche Praktiken, Vertrauen, Berührung, Risiko usw. betrachten könnten.
  • Aspekte von „Cripping“- und/oder „Queering“-Praktiken zu betrachten und zu diskutieren sowie darüber, was es bedeutet, diese Praktiken mit Menschen zu teilen, die diese Lebenserfahrungen nicht teilen.
  • Die Implikationen körperlicher Kontaktarbeit nach Trauer und dem Verlust eines Tanzpartners zu erforschen und zu reflektieren

Die Forschungswoche endete mit der Abschlussveranstaltung „Round Table Floor Conversation“, die am 6. Juni 2026 im HZT Berlin stattfand. Die Gespräche und die performte Kontaktimprovisation griffen Themen und Erfahrungen auf, die während der Forschungswoche entstanden waren, und befasste sich dabei mit Bewegungsvokabularen und Techniken von behinderten und Crip-Tanzkünstler:innen. Der Schwerpunkt lag insbesondere auf Fragen des Austauschs von Cripping- und Queering-Praktiken in Lehrumgebungen sowie mit Menschen außerhalb dieser Lebenserfahrungen. Zu den Themen gehörten Berührung, Vertrauen, Risiko, körperliche Verbindung, Beziehung, verkörpertes Wissen und künstlerische Praxis sowie die Art und Weise, wie diese als Formen von Technik oder Vokabular fungieren können.

Wir arbeiten momentan daran, Video- und Audioaufzeichungen der Verantsaltung verfügbar zu machen und werden hier nach und nach weitere Einblicke teilen. 

Künstler:innen Biografien

Claire Cunningham (she/they) ist eine in Glasgow, Schottland, lebende Performerin und Schöpferin multidisziplinärer Performance-Kunst. Als eine der meistgefeierten und international renommiertesten Künstlerinnen mit Behinderung im Vereinigten Königreich sind Cunninghams Arbeiten oft in der Auseinandersetzung mit Crip- und Behindertenerfahrungen, Pflegepraktiken sowie der Hinterfragung gesellschaftlicher Vorstellungen von Wissen und Wert verwurzelt. Zuletzt wurde Claire im Jahr 2021 bei den Deutschen Tanzpreisen für ihre herausragende künstlerische Entwicklung im Bereich Tanz ausgezeichnet. Im Oktober 2023 trat Claire als Einstein-Professorin für „Choreografie, Tanz und Disability Arts“ dem Inter-University Centre for Dance (HZT) in Berlin bei. Im November 2024 brachte sie ihr neues Solostück „Songs of the Wayfarer“ zur Uraufführung. Es wurde bei den UK Theatre Awards 2025 in der Kategorie „Achievement in Dance“ nominiert und ist weiterhin international auf Tournee.

Anya Cloud (she/they) ist eine experimentelle zeitgenössische Tanzkünstlerin, die ursprünglich aus Alaska stammt und derzeit zwischen Colorado und Berlin lebt. Als queere weiße Person richtet sie ihre Arbeit darauf aus, radikale Lebendigkeit als künstlerisch-aktivistische Praxis zu kultivieren. Zusammenarbeit, Hinterfragen und tiefe Körperlichkeit stehen im Mittelpunkt all ihrer Arbeiten. Makisig Akin und Anya leiten gemeinsam die projektbasierte Tanzkompanie „The Love Makers“. Ihre Arbeiten wurden in jüngster Zeit unter anderem von DOCK 11, der Tanzfabrik Berlin Bühne, den Tanztagen Berlin, Movement Research at the Judson, dem OUTsider Fest und dem What You See Festival produziert. Zu ihren wichtigen Kooperationspartner:innen zählen unter anderem Makisig Akin, Sara Shelton Mann, Karen Schaffman, Eric Geiger, Ishmael Houston-Jones und Nhu Nguyen. Anya hat international an Festivals und Institutionen Kontaktimprovisation, Improvisation, zeitgenössischen Tanz und Somatik unterrichtet bzw. geleitet, darunter beim Guatemala Contact Improvisation Festival, an der Tanzfabrik Berlin Schule, bei ImPulsTanz, im Tanzquartier, bei wcciJAM, beim Ukraine Contact Improvisation Festival, beim Metamorphosis Improvisation Research Festival, im The Field Center, bei BeingTouch und beim Seattle Festival of Dance Improvisation. Derzeit unterrichtet Anya an der University of Colorado Boulder, erwarb einen MFA an der University of California San Diego und wurde von Elizabeth Beringer in der Feldenkrais-Methode® ausgebildet.

Makisig Akin (they/them) ist eine queere, transgender, auf den Philippinen geborene Choreograf:in, Tanzkünstler:in, Moderator:in und Aktivist:in. They wuchs auf den Philippinen auf und lebt derzeit in Berlin. Makisigs Arbeit konzentriert sich auf die Anerkennung intersektionaler Identitäten, die Wiederverbindung mit den eigenen Wurzeln und die Entmachtung westlicher Ideologien in der Tanzgestaltung. Makisig untersucht, wie Überlebensstrategien in eine gemeinschaftliche körperliche Praxis übersetzt werden können, die they dann als Katalysator für einen kreativen Heilungsprozess nutzt. They hat Tanzworkshops und Kontaktimprovisationskurse in vielen verschiedenen Einrichtungen geleitet, darunter HZT, UCLA, Tanzfabrik Schule, Bennington College, The Field Center und das Seattle Festival of Dance Improvisation. Their Herangehensweise an die Kontaktimprovisation ist eng mit their Ausbildung in traditionellem philippinischem Tanz, Kung Fu, Jiu-Jitsu, Improvisation, Gehmeditation, Authentic Movement, Bouldern/Klettern und zeitgenössischem Tanz verflochten. Im Jahr 2019 erlangte Makisig einen MFA an der UCLA. Makisig gründete gemeinsam mit Anya Cloud die projektbasierte Tanzkompanie „The Love Makers“ und ist zudem Mitbegründer:in und Co-Direktor:in des „Emerging Change Tanzfestivals“ in Berlin. In den letzten drei Jahren wurden their choreografischen Arbeiten unter anderem in der Tanzfabrik Bühne, den Uferstudios, im DOCK 11, bei Movement Research im Judson, beim What You See Festival, beim OUTsider Fest und bei den Tanztage Berlin präsentiert. Their Arbeiten wurden vom NEUSTART KULTUR Fonds Darstellende Künste, Distanzen 2022/2023, dem Hauptstadtkulturfonds und dem Fonds Darstellende Künste Flausen gefördert.

Peter Pleyer studierte am European Dance Development Centre (EDDC) in Arnheim, bevor er als Tänzer und choreografischer Assistent mit Yoshiko Chuma und Mark Tompkins zusammenarbeitete. Seit 2000 lebt er in Berlin. Von 2007 bis 2014 war er künstlerischer Leiter der Tanztage Berlin und von 2012 bis 2014 Mitglied des Teams der Sophiensæle. Sein Interesse als Choreograf und Performer, Dramaturg und Coach gilt der Suche nach neuen Methoden, um Tanztraining, Komposition und Improvisation in choreografische Prozesse zu integrieren, wie beispielsweise in der Lecture-Performance „Choreographing Books“ oder in „Visible Undercurrent“ (2014). Er unterrichtet an verschiedenen Hochschulen und Festivals in Europa und war maßgeblich am Aufbau eines Studiengangs für Zeitgenössischen Tanz in Berlin beteiligt. 

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