Crip Time als Zeit der Trauer
von Anajara Amarante
„Wie viel meiner Erschöpfung ist auf meine Krankheiten zurückzuführen und wie viel darauf,
dass wir Homo sapiens uns tagsüber nicht wie andere Säugetiere hinlegen?
Versucht mein Körper, die Jahre übermäßiger Arbeit als Teil einer Arbeiter*innenfamilie
mit niedrigem Einkommen auszugleichen?
Ist meine Trauer eine emotionale Reaktion auf Verlust?
Den Verlust meiner Katze, den Verlust meiner Gesundheit,
den Verlust von Chancen aufgrund von Fremdenfeindlichkeit oder Ableismus?
Warum verändert sich meine Crip Time ständig?
Sind all dies sehr eng gefasste Gedanken, Wahrnehmungen und Gefühle?
Scheiß auf Descartes?
Wohin auch immer mein Körper und mein Geist mich führen,
ich trage meine Trauer und meine Crip Time mit mir.
Das ist unbestreitbar und unvermeidlich.
Ich war noch nie so offen wie jetzt,
weil mein Herz gebrochen ist
und es keinen Schutz mehr gibt."
– Auszug aus Anajaras schriftlichen Reflexionen während der Research Week
Über Anajara Amarante
Anajara Amarante ist ein*e chronisch kranke*r brasilianische*r, queere*r Künstler*in. Anajara Amarantes künstlerische Praxis konzentriert sich auf den Bereich der darstellenden Künste mit dem Schwerpunkt Choreografie. Dabei sind die beruflichen Interessen persönlich und politisch: queere Körper, die von der behaupteten Norm abweichen, marginalisierte Gemeinschaften und Kunstpraktiken. Als in Europa lebende*r Brasilianer*in, interessieren Anajara die Identitätsbildung von Menschen mit verschiedenen kulturellen und sozialen Backgrounds, Postkolonialismus sowie die Konstruktion von Freude, Inklusion und Vielfalt.
