Dokumentation Sommersemester 2020

Studieren in Zeiten der Pandemie

Das Sommersemester 2020 stand in jeder Hinsicht unter Extrembedingungen: ein digitales Semester in Krisenzeiten der globalen Corona Pandemie, ohne Präsenzlehrbetrieb und mit strengen Hygieneauflagen für die wenigen Lehrformate, die vereinzelt doch realisiert werden konnten. Ohne Zweifel war dieses „digitale Sommersemester“ eine Herausforderung und Belastungsprobe für jede*n einzelne*n. Doch gerade in Zeiten der Krise gewinnen die Künste an Bedeutung, werfen sie doch einen prismatischen Blick auf eine fragile Gegenwart oder liefern das Werkzeug für Aktivismus und Veränderung. Wir zeigen hier einige der Arbeiten des digitalen Semesters 2020 am HZT Berlin.

Mit Beiträgen von: Javier Blanco, Clara Federica Crescini, Emeka Ene, Michela Filzi & collaborators, Ana Lessing Menjibar & Nikolaus Brade, Gareth Okan, Aleksandra Petrushevska, Hannah Schillinger, Sandra Umathum, Susanne Vincenz, tbc.

 

9 Emerging rules, for playing Regenerative Games

By Michela Filzi & collaborators

“9 Emerging Rules for playing Regenerative Games”, is a visual poem made of research material, collected starting from October 2019. Regenerative games are interferences of bodies, aiming at vanishing the mental separation between environment (studio/objects/camera) and organism (my own body). Every available element is integral to the ecological approach to my practice, performance is always relational and a sympoietic process.

Supervising Prof. Rhys Martin, Sandra Noeth, Sophia New. Participating students: Study programme MA SODA
michelafilzi.com

The Story of ... GOING WILD

Clara Federica Crescini

Last 19th June 2020 I was supposed to graduate. I was supposed to stage a 60 minute dance performance. Everything was ready to start the process, but it happend the lockdown and those interesting time we are living are now has given a new wave to our life. The experience of the forced stop gave me the possibility to review many aspect of the project I am going now to stage in January 2021. I dive, like most of us, in the world of the online relationship, trying to keep alive the red string that was connected us from the creative team. We, as team, started the creation of a digital archive of news, pictures, sounds, book bibliography, that allowed us to connect and expand into a common imaginarium. We hold on into six weeks of online weekly rehearsals and exchange talks. It happens that, from those online encounters, the questions, tasks and reflections we asked to each other, we ended up producing texts, poems and videos (all shooted with selfphones). The continuity we were able to hold in our research it helped me to expand and to focus at the same time and sintetize the core of the research. GOING WILD , the title of the project, will be staged in January 2021 as a long duration installation performance. Weiterlesen >>

Fragilty seasons.

Javier Blanco

Die Arbeit untersucht Zustände von Fragilität. Sie nimmt die Isolation als Ausgangspunkt, und erkundet die Erfahrung von persönlicher und globaler Fragilität. Die Arbeit ist eine erste Auseinandersetzung mit der Intimität der Filmsprache. Die Welt trat in eine Ära der Verwirrung und des Wahnsinns ein. Der Kuss, die Umarmung wurden aufgeschoben. Das Theater, der Flughafen, die Türen geschlossen. Dann begriffen wir, dass uns die Natur selbst im Zeitalter der Technologie unsere Zerbrechlichkeit zeigen und in die Isolation und Einsamkeit zwingen kann. Die Arroganz sank; die Vorstellungen von Fortschritt und Wirtschaftswachstum blieben zurück, und zeigte die Möglichkeit auf, die innere Zerbrechlichkeit zu erkennen.

Javier Blanco (MA Choregraphie)
Tänzer: Eva Papadopoulos und Javier Blanco.
Kamera: Mauricio Alvarez (Grunewald-corridor), Jonas Brander (Briesetal), Claire Crescini (Grunewald-corridor), Bengt Johnson (Ostersund)

Hannah Schillinger „Transient“

The only thing I am sure of is that everything is always changing.
Constant movement - movement as the only constant.
Unfolding.
An uncountable amount of micro shifts.
Shaped by waves of fields of information.
Partially crossing my body.
Some breaking into particles when crashing against my skin.
Potentials being pushed and pulled into existence.
All of them.
Temporarily materializing through reception.

Das Projekt „Transient“ ist eine Kollaboration zwischen Hannah und Heike Schillinger und somit ein Mehrgenerationen-Projekt. Als die beiden Frauen sich während des ersten Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020 vorübergehend wieder einen Haushalt teilten, entstand dieser lokale Kunstfilm in und um den Schacky-Park in Diessen am Ammersee.

Weitere beteiligte Studierende: Justin Robinson, MA mit Schwerpunkt Filmmusik, Filmuniversität Babelsberg.
Instagram @hannah.schillinger, www.hannahschillinger.com

Kachelkurs statt Körper in Kontakt

Von Susanne Vincenz für das Tanzraum Magazin (07/08.2020)

Wie unterrichtet man Tanzstudierende, wenn Abstandsregeln zu beachten und gemeinsame Studiozeiten nur eingeschränkt möglich sind? Bericht über den alltäglichen Ausnahmezustand am HZT Berlin.

1. Lockerungsstufe
Mikro an. Mikro aus. Irritiert vom Geruckel auf dem Bildschirm. Fünfzehn Kacheln, aus jeder wuchert eine Vielzahl von Informationen. Gesichter mit Augenpaaren, die sich in jede Richtung bewegen, manche huschen von rechts nach links, andere scheinen den Bildschirm abzutasten. Das ganze Fenster ist gefüllt mit zappelnden Handpuppen, ein Flickenteppich aus Bewegungen. Es ist mein erstes Zoom-Meeting, und dies ist der Auftakt zu einem digitalen Semester am HZT nach dem Shutdown. Aber wie soll das gehen? Wie kann man Tanz und Choreografie digital unterrichten, wie gemeinsam proben, ohne im gleichen Raum zu sein? Wie begegnet man einander digital in einer Kunstform, die von Kontakt, gegenseitiger Wahrnehmung und Kopräsenz abhängt? Weiterlesen >>

Ana Lessing Menjibar MA SODA Almuna

Covershooting für die UdK Tagesspiegelbeilage zur Demonstration "Kunst Raum Stadt"

Aleksandra Petrushevska: the sound of the forest

Outcome of this semester's class "Your Own God" with Judith Sanchez Ruiz.

Choreografie und Interpretation: Aleksandra Petrushevska. Musik: HRZL, Kamera & Schnitt: Aleksander Grozdanovski. @HZT, 2020

Lockdown Theatre: Die Rache des Hustens

Von Sandra Umathum für das Journal des Schauspielhaus Zürich

Kurz nach der Corona-bedingten Schliessung der Theater teilt bei Facebook jemand einen Cartoon aus der Times: Darauf zu sehen ist ein älterer Herr im Sessel, der, als er in der Zeitung liest, dass alle Theateraufführungen und Konzerte abgesagt sind, seine Frau und vor allem sich selbst fassungslos fragt, wohin er jetzt zum Husten gehen soll.

Das Lustige an diesem Cartoon ist, dass er die Einstellung der Spielbetriebe ausgerechnet aus der Perspektive einer Person kommentiert, die in den Theatern und Konzertsälen zum Kreis der unbeliebtesten Gäste zählt, zu denen, die an diesen Orten als besondere Nervensägen gelten. Autoren wie Heinrich Böll oder Thomas Bernhard haben ihnen ein literarisches Denkmal gesetzt; nach einigen von ihnen ist sogar eine Hustenart benannt, der sogenannte Theater- oder Konzerthusten. Natürlich ist das Böse an dem Cartoon aber auch, dass der Herr im Sessel selbst schon mit dem Virus angesteckt sein könnte, der die Schliessung der Theater bewirkte. Weiterlesen >>

Gareth Okan: Do you daydream often?

Outcome of this sommer sems class "Your Own God" with Judith Sanchez Ruiz.

DECISION TREE

Von Emeka Ene

On the 21st of June, the longest day of the year in the northern hemisphere and perhaps the most auspicious day for a tree, I decided to walk in the direction of the sun from sunrise to sunset, with the resulting lines traced on the map being the titular DECISION TREE. Decision trees are analysis tools used in machine learning and statistics. Being that the tree metaphor was repurposed for digital means, I reappropriated the metaphor to observe phenomenologies of the city.

Studium Generale
Prof: Daniel D. Hromada: Of Organic and Digital Trees

allostasis

By Maria Ladopoulos

The term allostasis describes the process of achieving stability through change, the mechanisms our bodies are involved in to adjust to unpredictable events. In this semester, filled with unpredictability and a sense of stasis (standing still), I checked in with Judith every week for five weeks and was guided through a practice of looking in. Five short movement sequences, five drawings and five written reflections served as an archive of mood and quality and were the starting point of this choreography and film

Seminar YOUR OWN GOD by Prof. Judith Sánchez Ruíz at BA programme Tanz, Kontext, Choreographie.