Do27.1.2218:30
Vortrag Stream

Ritu Sarin & Tenzing Sonam

Burning against the Dying of the Light, the Body as Site of Radical Protest

Seit Februar 2009 haben sich schätzungsweise 155 Tibeter in Tibet selbst verbrannt. Von diesen sind 133 bekanntlich gestorben. Der Aufenthaltsort und der Zustand derjenigen, die überlebt haben, sind noch weitgehend unbekannt. Viele derjenigen, die sich selbst in Brand setzten, waren Mönche und Nonnen, aber auch Lehrer, Studenten, Hirten und Bauern. Das jüngste Opfer war 15 Jahre alt. Die Selbstverbrennungen fanden in der Regel an öffentlichen Plätzen statt - an Straßenecken, vor Gotteshäusern - vor den Augen der Passanten. Sie waren ein Akt des Protests und sollten bezeugt werden. Die Handlungen der Selbstverbrenner in Tibet könnten in ähnlicher Weise als Handlungen im Dienste eines edlen Ziels gesehen werden, ganz im Einklang mit dem buddhistischen Ideal, sich für ein größeres Ziel zu opfern, das vielen zugute kommt. Hier wird die Selbstverbrennung zur einzigen Möglichkeit, zu protestieren und auf die zunehmend unerträgliche Situation in Tibet aufmerksam zu machen, wo alle anderen Möglichkeiten des friedlichen Protests brutal unterbunden wurden. Die Selbstverbrennung wird zu einer politischen Aktion, um eine Nation zu retten. Unser Vortrag im Rahmen der Reihe "Bodies, (un)settled" basiert auf unserer Multimedia-Installation Burning Against the Dying of the Light, die unser Versuch war, auf die Selbstverbrennungsbewegung in Tibet zu reagieren und ihr einen Sinn zu geben. Sie wurde zunächst 2015 in den Khoj Studios in Neu-Delhi und dann im Rahmen der Contour Biennale 8 im Jahr 2017 ausgestellt. Unser Vortrag wird Fotografien, Videoausschnitte, Testamente und Gedichtfragmente beinhalten, die als Teil der Installation präsentiert wurden.

Die Vorlesung findet online in englischer Sprache statt, über den folgenden Zoom-Link:
https://hfmdk-frankfurt.zoom.us/j/82192661889?pwd=WWhma2s0VXFEOG9iNXgxRU9hTW5lQT09
Meeting-ID: 821 9266 1889
Kenncode: 025612

Die Ringvorlesung (Un)settled. Performance, Schutz und Politiken der Verunsicherung von der HTA (Hessische Theaterakademie) im Wintersemester 2021/22 findet in Kooperation mit dem Institute for Applied Theater Studies, JLU Giessen; dem HZT – Hochschulübergreifendes Zentrum Tanz, Berlin; der Kunstakademie Düsseldorf und dem Künstlerhaus Mousonturm statt.

Die indisch-tibetischen Filmemacher und Künstler Ritu Sarin und Tenzing Sonam leben in Dharamshala, Indien. Sie arbeiten seit mehr als 30 Jahren zusammen. Ihr Werk umfasst preisgekrönte Filme und Kunstinstallationen. Ein wiederkehrendes Thema in ihrer Arbeit ist Tibet, mit dem sie persönlich, politisch und künstlerisch eng verbunden sind. Ihr Dokumentarfilm The Sun Behind the Clouds (2009) wurde auf dem One World Film Festival in Prag mit dem Vaclav-Havel-Preis ausgezeichnet. Ihre tibetischsprachigen Spielfilme Dreaming Lhasa (2005) und The Sweet Requiem (2018) wurden auf dem Toronto International Film Festival uraufgeführt. Ihre künstlerischen Arbeiten wurden vielfach gezeigt, unter anderem bei: Berlinale Forum Expanded, Contour Biennale, Busan Biennale, Mori Art Museum, Thyssen-Bornemisza Art Contemporary und Khoj Studios. Sie sind auch die Leiter des Dharamshala International Film Festival, das sie 2012 gegründet haben und das heute eines der führenden unabhängigen Filmfestivals Indiens ist.

Credits:
Diese HTA-Ringvorlesung steht im Zusammenhang mit BODIES, UN-PROTECTED, dem Internationalen Programm zu Körpern, Kunst und Schutz im Künstlerhaus Mousonturm, das von Oktober 2021 bis Juni 2022 läuft.
Organisator:innen: Prof. Dr. Bojana Kunst, Institut für Angewandte Theaterwissenschaft, JLU Gießen; Prof. Dr. Sandra Noeth, HZT, UdK, Berlin; Prof. Dr. Francesca Raimondi, Kunstakademie Düsseldorf; Anna Wagner, Mousonturm, Frankfurt.

Veranstaltungsort: Stream |
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