Bodies of Law: Kunst, Aktivismus, und das Recht, einen Körper zu haben
HZT Lecture Series 2026
Der menschliche Körper steht im Zentrum vieler drängender aktueller rechtlicher Debatten und Bewegungen für soziale Gerechtigkeit. Beispiele hierfür sind der Kampf um reproduktive Rechte, sexuelle Selbstbestimmung und das Recht auf Abtreibung oder auch körper-basierte Strategien in den Bereichen Migrationspolitik und moderne Kriegsführung wie zum Beispiel Push-Backs und der Einsatz von Menschen als Schutzschilder. Rechtliche Rahmenbedingungen bestimmen auch wie Körper im öffentlichen Raum intervenieren, protestieren oder sich versammeln können, und wie sie Zugang zu politischem, physischen und ethischen Schutz erhalten können. Die Unversehrtheit und die Unveräußerlichkeit des Körpers sind grundlegende Rechtsprinzipien, die für alle gelten sollten. Faktoren wie ethnische Zugehörigkeit, Geschlecht und Ability stellen diese Prinzipien jedoch in Frage. Anders gesagt: Nicht allen Menschen wird vor dem Gesetz der gleiche Status und die gleiche Handlungsfähigkeit zuerkannt.
Bodies of Law betrachtet diese und andere Phänomene aus transdisziplinärer Perspektive und hinterfragt, wie das Recht menschliche Körper wahrnimmt und mit ihnen umgeht und wer rechtlich gesehen einen Körper haben kann. Anhand einer Vielzahl von Fallstudien, Konzepten und Praktiken aus den Bereichen Recht, Zivilgesellschaftliches Engagement, Kunst und Aktivismus untersucht die internationale Vortragsreihe, wie körperbezogenes Wissen die Mehrdeutigkeiten und Lücken rechtlicher Strukturen aufdecken kann.
Bodies of Law untersucht die Rolle des Körpers in rechtlichen Zusammenhängen. Ist der Körper Gegenstand des Rechts oder sein Akteur? Fungiert er als Projektionsfläche, Zeuge oder Archiv? Auf welche Weise stellen wir uns unsere eigenen Körper und die anderer vor, stellen sie dar, wie inszenieren und rahmen wir sie im Verhältnis zum Recht? Inwiefern kann der Körper als eine Art Beweis verstanden werden, um unterschiedliche Vorstellungen von ‚Wahrheit‘ zu prüfen, zu verhandeln und in Frage zu stellen? Inwieweit hängt die Fähigkeit eines Körpers, vor dem Gesetz eigenständig aufzutreten, von ästhetischen Faktoren ab, davon, wie ein Körper repräsentiert und wahrgenommen wird? Wie kann Kunst die Erforschung alternativer Modelle von Gerechtigkeit unterstützen?
Mit: Phanuel Antwi, Ansambl Generalštab / Nikolina Đorđević, Banu Bargu, Nevena Delić, Başak Ertür, Hanaa Hakiki, Janez Janša, Nenad Lajbenšperger, James Martell, Lina Majdalanie, Carolina Mendonça, Esther Neuhann, Sandra Noeth, Lucia Ruprecht, Arkadi Zaides, Robin Vanbesien, und anderen.